Greimerath

Greimerath – Die Geschichte eines Hochwaldortes in Schlaglichtern

Das Dorf Greimerath (Verbandsgemeinde Kell am See, Kreis Trier-Saarburg) mit ca. 1.100 Einwohnern liegt im sog. Schwarzwälder Hochwald. Der umliegende Naturpark Saar-Hunsrück trägt das Prädikat „Erholung in Stille“ und lockt zahlreiche Gäste aus Nah und Fern an. Das Dorf verfügt über eine eigene Grundschule wie auch eine Kindertagesstätte; neben zwei Restaurants und einer Kneipe existieren mehrere Lebensmittelläden. Die zahlreichen Greimerath umgebenden und durchlaufenden Wanderwege, darunter der Saar-Hunsrück-Steig wie auch die Greimerather Traumschleife und der Ruwer-Hochwald-Radweg beleben den Tourismus; Attraktion sind die seit 2013 im Naturschutzgebiet Pansbruch zur naturnahen Beweidung des Hochmoors eingesetzten urtümlichen Taurusrinder und Konikpferde.

Im Folgenden sollen einige Schlaglichter auf die bewegte Geschichte des Ortes geworfen werden:

Sporadische Funde von Steinbeilen belegen bereits in der Steinzeit die Existenz des Menschen in der Region. In der Antike häufen sich die Belege von Siedlungstätigkeiten. Hier lebte das von den Griechen „Kelten“, von den Römern „Gallier“ genannte Volk. Nach der Eroberung des Gebiets im Zuge des Gallischen Krieges des römischen Feldherrn Iulius Caesar (58-50 v. Chr.) nahm der hier heimische Stamm der Treverer, nach denen auch Trier – Augusta Treverorum benannt ist, römische Sitten und Gebräuche an. Siedlungen, Begräbnisstätten, Heiligtümer und auch Straßen aus früherer Zeit wurden weiter genutzt, konnten aber nach römischer Manier umgestaltet werden. Bedeutende Fundplätze sind die frühen Gräber von Pellingen, Zerf und Weiskirchen, das Heiligtum im Neunhäuser Wald nahe dem Judenkopf sowie das Heiligtum mit Kulttheater bei Kastel-Staadt, das Römerlager bei Hermeskeil oder die Landvilla von Vierherrenborn. Eine Römerstraße führt, von Trier über Pellingen und Zerf kommend, über den Judenkopf weiter bis ins saarländische Pachten. Diese Straße wird noch in Urkunden des 10. und 12. Jh. erwähnt, was ihr Fortbestehen dokumentiert.

Zum ersten Mal urkundlich belegt ist Greimerath am 31. August 981, wonach Erzbischof Egbert dem Stift St. Paulin seine dortigen Besitzungen schenkte. Greimerath wird als Grimolderode, „das von Grimold gerodete Land“, bezeichnet. Während des Frühmittelalters war das Gebiet recht dünn besiedelt; eine erhebliche Bevölkerungsvermehrung zwischen dem 11. und 14. Jh. bewirkte die Rodung großer Waldflächen, in deren Zuge weitere Dörfer um Greimerath herum entstanden. Die Gerichtsbarkeit in Greimerath hatte das Stift St. Paulin inne. Im 16. Jh. kam es im Greimerather Raum zur Verfolgung vermeintlicher Hexen, wodurch wir erfahren, dass der zugehörige Gerichtsplatz sich im Neunhäuser Wald befand.

Seit dem 14. Jh. schwankte die Zahl der Greimerather Einwohner zwischen 50 und 150 Personen. Kriege, Hungersnöte und Seuchen ließen die Bevölkerung allenthalben schrumpfen; manches Dorf starb sogar ganz aus.

Vom Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) blieb Greimerath den Quellen zufolge bis 1639 einigermaßen verschont, bis Trier als Bischofsstadt umkämpft wurde und die fremden Truppen das Umland heimsuchten. Dabei wurde die Landbevölkerung drangsaliert und mit hohen Abgaben und Kriegssteuern belegt. Bei Kriegsende heißt es 1648, dass in Greimerath, das einem „Steinhaufen“ gleiche, seit zwölf Jahren niemand mehr gewohnt habe. Allein die Kirche blieb von den Zerstörungen verschont, und im Jahre 1661 erfolgte auf Betreiben des Stifts St. Paulin die Wiederbesiedlung; im Jahre 1863 wurde die vormalige Filialkirche Zerfs zur eigenständigen Pfarrei St. Nikolaus.

Da die Greimerather im Jahre 1780 beabsichtigten, ein neues Schulhaus zu bauen, muß es zu dieser Zeit bereits Schulunterricht gegeben haben. Zur Zeit der Französischen Revolution wurden die Nachbarorte Zerf und Baldringen geplündert; bald wurden in allen Dörfern junge Männer als Rekruten ausgehoben, darunter auch Greimerather. Im Jahre 1803 lebten in Greimerath 310 Menschen, bis zum Jahre 1843 sollte ihre Zahl auf 540 ansteigen. Bedingt durch die Kriegswirren und die Armut im Trierer Land wanderten jedoch bis zum Ende des Jahrhunderts viele Menschen ins Banat (Jugoslawien/Rumänien) und nach Nordamerika aus.

In den 1860er Jahren ließ die Erzgrube „Louise“ und die reichlich vorhandenen Ackerflächen einen bescheidenen Wohlstand im Dorf aufkommen; die Gemeinde konnte also einen eigenen Pfarrer unterhalten und wurde 1863, wie oben erwähnt, zur eigenständigen Pfarrei St. Nikolaus.

Von der Sinnlosigkeit der beiden Weltkriege blieb Greimerath nicht verschont. Im Ersten Weltkrieg wurden 45 Männer als Soldaten eingezogen, von denen 25 im Feld fielen. Im Zweiten Weltkrieg versteckte sich die Bevölkerung zeitweise in der Erzgrube „Louise“. Insgesamt verloren 77 Einwohner Greimeraths im Zuge des Zweiten Weltkriegs ihr Leben.